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Breisgau Brasilianer

Breisgau Brasilianer

Liebe Fußballfreunde,

wer erinnert sich noch? 1993 stieg der SC Freiburg unter dem legendären Fußballlehrer Volker Finke in die Bundesliga auf. Der ehemalige Bundeswehroffizier und Lehrer für Sport, Gemeinschaftskunde und Geschichte „lehrte“ vor allem die arrivierten „Großkopferten“ in der Saison 1994/95 mit einer für damalige deutsche Verhältnisse revolutionären, extrem attraktiven und offensiven Spielweise das Fürchten. Dabei spielte sich seine Mannschaft phasenweise in einen Rausch.

Angeführt vom argentinischen Spielmacher Rodolfo Esteban Cardoso zauberte das Team mit Kurzpassspiel, hoher technischer Eleganz und moderner Raumdeckung. Und solch ein Spiel, vorgetragen im Breisgau, so wie die Gegend rund um Freiburg genannt wird, animierte einige Journalisten dazu, dies mit der Leichtigkeit des brasilianischen Fußballs zu vergleichen, so dass der legendäre Begriff geboren wurde. Am Ende jener Saison erreichte Freiburg sensationell den 3. Tabellenplatz. 

Rodolfo Esteban Cardoso: Spitzname „Pelu“ – sein lockiges Haar erinnerte seinen Vater an einen Fussel, spanisch Pelusa, Kurzform Pelu. Da ist es dann nicht weit zu Pele – zur Untermauerung des Vergleichs zum brasilianischen Jogo Bonito während seiner Zeit beim SC Freiburg

Heute verwendet man den Begriff „Breisgau-Brasilianer“ eigentlich nicht mehr häufig. Aber nach diesem wettbewerbsübergreifenden, durchweg siegreichen Saisonstart des guten alten SC und einem glatten 5:0-Sieg gegen sicherlich überforderte Gladbacher ist es durchaus angebracht, darüber wieder zu „schreiben“. Denn die Breisgauer haben bis auf das Spiel gegen Paderborn am vergangenen Spieltag „im Minimum“ pro Spiel 3 Tore erzielt (⍉ 3,6). In vier Partien waren es jeweils 4 und sogar 5 dergleichen. Man kann fast schon von einer wahren Torflut sprechen. Denn die 4 Gegentreffer insgesamt sind fast schon zu vernachlässigen und fallen nicht ins Gewicht.

Und dieses Motto überträgt sich damit auch auf die Bundesliga. Auch hier bemerkenswert ist neben den bereits eingefahrenen 9 Punkten die Tordifferenz von +9 Toren. Da kann selbst der normalerweise alles überragende deutsche Meister nicht mithalten. Trotz eines „Mike“ Akpovie Olise, eines „HurriKane“ und eines „Lucho“ Diaz sind aktuell Spieler wie Igor „der Bestrafer“ Matanovic oder Yuito „ohne Spitzname“ Suzuki einfach treffsicherer. Selbst der Freiburger Weltmeister von 2014, Matthias Ginter, hat bereits 2 Treffer auf seinem Konto (zugegebenermaßen hier in der Conference League). Gleiches gilt für die Mittelfeldspieler Maximilian Eggestein und Yannik Engelhardt, die jeweils 2 Tore in der Statistik nach 3 BL-Spieltagen aufweisen. Jogo Bonito allenthalben, wenn alle Mannschaftsteile treffen!

Weniger Jogo Bonito, sondern eher eiskalt via zweier effektiver „Sofremos um contra-ataque“ wurde der VfB in Hoffenheim ausgehebelt. Zum ersten Mal konnten die Nord-Badener aus Sinsheim in dieser Saison gewinnen, und das ausgerechnet gegen den Nachbarn aus Stuttgart. Wohlgemerkt hatte die TSG in den ersten beiden Bundesligaspielen jeweils nach der Pause eine Führung hergegeben und beides Mal danach sogar den Platz als Verlierer verlassen. Und wahrhaftig, diesen Spieltag passierte es ebenso. Die Cannstatter konnten nach der Pause ausgleichen. Aber, wie angedeutet, vollendete Doppelpacker Adam Hlozek in der 67. Minute einen weiteren Konter zum 2:1. So kann es schon einmal einem CL-Teilnehmer ergehen. Damit sind die Brustringträger als 14. der Tabelle sogar aktuell die schlechteste Mannschaft aus dem Ländle. Dieses Wochenende war es wohl nix mit dem schönen Spiel auf Schwäbisch!

Stuttgart überraschend schwach: Adam Hlozek schnürt einen Doppelpack

Nix war es auch für Siggi. Er ist sie wieder einmal los, die Tabellenführung. Und diese ging völlig überraschend, oder soll man dieses Mal festhalten, überhaupt nicht überraschend, an Schnäppchen. Mit mutigen, aber aus seiner Sicht sicherlich schön herausgespielten Tipps rund um die Partien in Berlin und Köln hat er sich die Krone des Führenden aufgesetzt. Damit hat der in der Nähe des Breisgaus residierende VfB-Anhänger sicherlich ein zwiegespaltenes Wochenende hinter sich und muss mit seinem Gefühlswirrwarr erst einmal zurechtkommen: Dritter „Boxende Päpste“-Rundensieger in der Saison 2026/27, Tipptabellenführer, jubelnde Breisgauer allenthalben, wenn er tief nach Süden blickt, und natürlich eine Niederlage des VfB ausgerechnet in Hoffenheim. Viel Spaß bei der Aufbereitung!