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Flachpass

Flachpass

Liebe Fußballfreunde,

jetzt versuche ich ja schon seit mehreren Jahren regelmäßig, Fußballweisheiten oder auch gerne –begriffe und sogar ab und an –zitate in Zusammenhang mit unserer Tipprunde zu bringen. In der Hoffnung, dass dadurch der oft „vertieft“ vorhandene Fußballsachverstand aufgefrischt und das „Tippen“ nicht vergessen wird. Dabei ist mir aufgefallen, man sagt auch gerne „wie Schuppen von den Augen gefallen“, dass ich bis dato noch nie über den Flachpass „referiert“ habe. Und wie jeder der hier angesprochenen Fußballexperten sofort versteht, ist dieser einfach essenziell für jedes Fußballspiel. Denn ca. 70–80 % der Pässe pro Spiel sind flach gespielt.

Nimmt man ein paar Daten zur Hand, dann kann man festhalten, dass von beiden Mannschaften damit 700 bis 800 Pässe der genannten Kategorie zuzuordnen sind. Eine ganze Menge, die man da als Zuschauer konsumiert. Rechenbeispiel zur Plausibilisierung gefällig: Verschiedene Datenportale kommen auf Werte von 800 bis 1.100 Pässen, die in einem Profispiel im Durchschnitt gespielt werden. Und davon eben die o. g. 70–80 % bei einem statistischen Mittelwert um die 1.000. Nicht ganz ganz korrekt, aber eine Annäherung zählt in diesem Fall auch.

Der Flachpass ist deswegen so beliebt, weil er einfacher anzunehmen ist, häufig mit dem Innenrist passgenau zugespielt werden kann und der Spieler damit zu mindestens für den Moment seine Hausaufgaben gut erledigt hat – sich sicher fühlt. Man nennt ihn auch gerne das Fundament des Fußballs. Einige von euch haben sich ja erfolgreich oder weniger erfolgreich schon einmal im Fußball versucht oder tatsächlich auch Jugendmannschaften trainiert. Da erinnert man sich gerne an die Vorgaben und Trainingspläne, in denen ebenso die genannte Passart regelmäßig vorkommt.

Auch bei der aktuellen WM ist das nicht anders. Die ganze Welt hockt, liegt oder kniet vor dem Fernseher und bekommt damit 70–80 % ihrer Zeit präsentiert, wie junge Männer sich den Ball flach gegenseitig hin und herschieben. Auf grünem Rasen immerhin, aber mehr als ein solches Geschiebe ist es oftmals nicht. Zugegebenermaßen kann ein Flachpass auch einmal steil gespielt werden (siehe auch „Steilpass“ – erst in der vergangenen Saison veröffentlicht). Kommt aber seltener vor – ja genau – wegen dem Risiko und eben der Gefahr von einem Fehlpass.

Der gegensätzliche Pass, der altbekannte Rückpass, ist da schon viel häufiger vertreten. Der wiederum kann einen schon einmal nerven. Was uns zu unserer deutschen WM-Historie bringt. Jeder wird sich sicherlich an das peinliche Ballgeschiebe zwischen Österreich und Deutschland anno 1982 erinnern. Auf den Tag genau ist dies nun 44 Jahre her. Der Rückpass und der Querpass flach gespielt waren bei dieser sog. „Schande von Gijon“ in Dauerschleife zu beobachten. Ich bin mir sicher, wer das damals live im Fernsehen angeschaut hat, war sicherlich nicht nur genervt, sondern auch hoch frustriert. Ich sehe heute noch Paule Breitner über den Platz spazieren.

Ein Spaziergang wiederum ist es bis jetzt für keinen der mitspielenden Tipper, so richtig. Die Tabelle ist ja noch recht eng beieinander, mit roundabout 20 Punkten vom ersten bis zum letzten Tabellenplatz nach 52 gespielten WM-Partien. Man könnte daher meinen, dass die Runde ebenso noch den Ball flach hält. Ausgenommen aktuell surprisingly Cioraphaello, der als einziger ein wenig heraussticht. Bei ihm war wahrscheinlich der Flachpass weniger das prägende Stilelement während seiner aktiven Zeit. Das Vermögen und die Häufigkeit der verwendeten Passarten in seinem Spiel überlasse ich aber gerne eurer Einschätzung: Es gibt, wie bemerkt, den Flach-, den Fehl-, den Steil-, den Quer- und natürlich den Rückpass. Alles eine Frage der Betrachtungsweise, die natürlich der absoluten Meinungsfreiheit unterliegt!