Torfabrik
Liebe Fußballfreunde,
auf die Plätze, fertig, los! So wie kürzlich bei der Leichtathletikeuropameisterschaft geht es Ende August auch schon wieder auf die Plätze und dann los. Die altbekannte Hatz nach Trophäen und im Fußball zunächst einmal vor allem nach Punkten kann wieder beginnen. Ob in unserer Tipprunde oder auf dem grünen Rasen. Man könnte auch fast fatalistisch behaupten: „Und ewig grüßt das Murmeltier!“ Aber wer will das schon, vor allem, wenn es einem doch ein wenig die Zeit vertreibt, also ein netter Zeitvertreib ist. Hoffentlich?!
Auch der DFL-Partner Adidas, nicht zu verwechseln mit der DFB-Partnerschaft für die Nationalmannschaft, welcher ab Januar 2027 an Nike übergehen wird, hat sich die vergangene Zeit damit „vertrieben“, um sich wieder etwas Originelles einfallen zu lassen. Die Marketingmacher aus Herzogenaurach haben brücken- sowie bilderbauend gearbeitet und sinnbildlich zugeschlagen. Sie beschlossen, ihren neuen Liga-Ball „TORFABRIK“ zu taufen. Das Design des Balls greift Elemente des Adidas-Modells „TEAMGEIST“ auf, mit dem erstmals 2006 in Deutschland gespielt wurde. Die Neuauflage verbindet somit die damalige markante Panel-Struktur mit modernen Designelementen in Schwarz, Rot und Gold.
Wichtiger ist aber die Namensgebung: Tor & Fabrik. Folgt man den einzelnen Begriffen, dann ergibt sich zunächst kein Sinn aus dieser Kombination. Tor steht simpel für die Trefferzone bei Ballspielen (wie Fußball oder Handball) sowie für den erzielten Treffer selbst. Eine Fabrik wiederum ist eine große Produktionsstätte. Zusammen sollen die beiden Begriffe, nach Wunsch der genannten Experten von Adidas, aber verdeutlichen, dass mit diesem Ball sehr viele Tore produziert werden sollen oder gar können.
Und das kommt nicht von ungefähr. Denn umgangssprachlich bezeichnet man auch gerne eine Mannschaft oder einen Mannschaftsteil als Torfabrik, wenn diese(r) extrem viele Tore erzielt und wie am Fließband Treffer produziert. Der Begriff wurde im Übrigen besonders geprägt in den 1970er-Jahren durch die Offensivabteilung von Borussia Mönchengladbach unter Trainer Hennes Weisweiler. Getreu dem Motto „Lieber 5:4 als 1:0“ schoss die damalige „Fohlenelf“ Tore in Serie. Wir würden sicherlich heuer bezogen auf die vergangene Saison dies Bayern München zuschreiben. Mit 122 Toren wurde bekanntlich ein neuer Teamtorrekord aufgestellt. Und das alles mit einem Ball, der Derbystar heißt oder nun im Sinne der DFL hieß.
Nehmen wir an, dass der Ball vom deutschen 3-Streifen-Hersteller verspricht, was sich die Macher erhoffen, dann müsste die Liga in der kommenden Saison mehr als 990 Treffer erzielen (welche es letzte Saison übergreifend waren) und sollte nach 1985/86 (also nach mehr als 41 Jahren) mal wieder die 1.000-Tore-Marke durchbrechen. Diese Hürde wurde bis dato nur in sieben Spielzeiten in den 70er- und 80er-Jahren tatsächlich genommen.
Folglich bleibt festzuhalten: Bei solchen marketingtechnischen Ambitionen und vielleicht sogar tatsächlichen Aussichten lohnt es sich doch wieder vollumfänglich zu tippen und vor allem bei der Tordifferenz auf die o. g. Wünsche der Ballmacher zu achten. Denn der Torertrag macht ja oft den feinen Unterschied in der Punkteausbeute und damit in der Tabelle.
Viel Spaß in dieser Saison!