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Arschkarte

Arschkarte

Liebe Fußballfreunde,

ja, auch das muss mal sein, die Arschkarte „besprechen“! So mancher hat sie schon einmal in seinem Leben gezogen, da bin ich mir sicher. Denn die Redewendung „die Arschkarte ziehen“ bedeutet im Volksmund, großes Pech zu haben, in eine unangenehme Situation zu geraten oder eine lästige Aufgabe erledigen zu müssen. Aber wussten die hier angeschriebenen Fußballweisen, dass dieses Idiom aus dem Fußball stammt?

Der ein oder andere wird nun erahnen, was kommt: Genau, „die Arschkarte ziehen“ stammt vermutlich aus der von uns so heiß geliebten Sportart und ist seit den 1990er-Jahren gebräuchlich. Im Grunde genommen ist es ganz einfach: Viele Schiedsrichter steckten die Rote Karte (die zu einem Platzverweis führt) in die Gesäßtasche (umgangssprachlich die „Arschtasche“), um vor allem die Gelbe mit der Roten Karte im Eifer des Gefechtes nicht zu verwechseln (Gelb ist dann vorne in der Brusttasche). Da die Rote Karte immer etwas Negatives bedeutet und der Griff dorthin unglücklich endet, entstand das Bild vom „Ziehen“ dieser Karte. Sprachwissenschaftler vermuten zudem eine Vermischung mit dem Kartenspiel-Spruch „den Schwarzen Peter ziehen“, da man die Karte im Fußball eigentlich nicht selbst zieht, sondern sie vom Schiedsrichter gezeigt bekommt.

Und damit seid ihr jetzt wieder einmal um einiges schlauer. Wenn ihr das nächste Mal in einer der o. g. Situationen steckt und u. a. eine lästige Aufgabe zu erledigen habt, dann erinnert euch an den Platz der roten Karte bei den meisten Fußballschiedsrichtern – am Arsch sozusagen.

Und haargenau, dieses Wochenende waren gleich zwei Spieler in einer Partie sinnbildlich „am Arsch“.

Zunächst traf es den ehemaligen Augsburger Felix Uduokhai. Im Samstagnachmittagsduell zwischen dem FCA und Union Berlin räumte der Abwehrrecke seinen positionsgetreuen Gegenüber Calvin Brackelmann so rustikal ab, dass dieser verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Das Ganze passierte bereits in der 19. Spielminute. Folgerichtig zog der oftmals etwas überfordert wirkende Schiedsrichter Dr. Robin Braun an dieser Stelle die berühmte Karte aus seiner Gesäßtasche. Danach war für jeden FCA-Anhänger die Wiesn damit sprichwörtlich „gmahd“, um im Landesslang zu bleiben. Eigentlich!

Denn es kam alles wieder einmal anders als gedacht. Zu Beginn der zweiten Hälfte trat Juma Bah auf den Plan und wollte höchstwahrscheinlich dem tapferen Felix in der neu aufgerufenen Disziplin „Arschkarte ziehen“ nicht nachstehen. In der 63. Minute ging er mit gestreckter Sohle auf seinen Gegenspieler Andras Schäfer „los“. Die Konsequenz? Ja, genau, Dr. Braun fasste sich nochmals an seinen Hintern und stellte den jungen Verteidiger aus Sierra Leone vom Platz. Auch hier zurecht! Damit herrschte auf dem Platz wieder pari, was auch am Ende zu einem, wenn auch ein wenig schmeichelhaften, Unentschieden führte. Hier für die Berliner.

Vermutlich war sich Juma Bah erst nach seinem harten Einsteigen der Konsequenz bewusst

Jetzt kommt es doch ab und an schon vor, dass zwei Spieler glatt Rot in einer Partie sehen. Hingegen gibt es weniger häufig ganze 3 Partien, die kein einziger Tippteilnehmer richtig deuten konnte. Denn wer dachte schon, dass Gladbach in Stuttgart gewinnen und Leverkusen in Hoffenheim verlieren könnte? Oder eben, dass Augsburg nicht gegen Union gewinnen würde. Die berühmte Arschkarte zog daher niemand mit diesen 3 Tipps – eher nur, wenn auch in den anderen Spielen kein Glücksgriff gelang. In solch einem Fall verzichten wir lieber auf eine namentliche Benennung – der betreffende Mitspieler wird selber einschätzen können, ob er diese Runde die Arschkarte gezogen hat.