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Dark Horse

Dark Horse

Liebe Fußballfreunde,

kaum ist der 1. Spieltag bei der WM in Kanada, Mexiko & den USA vorbei, schon sind wir wieder beim Reitsport. Ich wiederhole mich ungern, aber der ursprünglich überwiegend in England gepflegte Pferderennsport hat viele Begriffe hervorgebracht, die wir heutzutage gerne auch im "Alltäglichen" verwenden (… „Rule Britannia“ …; siehe Kantersieg). Und die Metapher „das dunkle Pferd“ bezeichnete ein Pferd, das den Buchmachern und der Konkurrenz völlig unbekannt und dessen Leistungsfähigkeit schwer einzuschätzen war, das aber durch einen überraschenden Sieg plötzlich die Aufmerksamkeit auf sich zog.

Erst neulich: „Golden Tempo“ machte einfach einmal Tempo

Übertragen auf den Fußballsport beschreibt es wiederum ein Team, das mehr im Hintergrund agiert, von der Öffentlichkeit oder der Konkurrenz kaum beachtet wird und dann völlig überraschend große Erfolge erzielt. Vielleicht hat ja das ein oder andere erfahrene Tippmitglied mit vertieftem Bezug zum Pferderennsport auf ein mögliches „Dark Horse“ gesetzt? Ablesbar an den jeweiligen geschätzten Halbfinalpartien oder den Gruppenplatzierungen im Bonus-Tipp. Na, hat es einer gewagt und auf eine solche Mannschaft gesetzt?

Nur, wer gilt bei einem Feld von 48 teilnehmenden Nationen noch als dunkles Pferd – als unbekannte Größe im Fußballsport? Immerhin haben sich ja all diese Länder aus einem Feld von 208 Nationalmannschaften qualifiziert. Aus besagtem 1. Spieltag könnte man Haiti und Katar mit Sicherheit als eher unbekannt bezeichnen. Aber haben die wirklich eine realistische Chance? Umgekehrt ist eine Mannschaft wie Australien noch als Underdog zu bezeichnen; nach ihrem beachtenswerten Unentschieden gegen die Schweiz im Vorbereitungsspiel am 6.6.26? Zugegebenermaßen wird dort und auch in Südafrika, dessen Mannschaft ich zur gleichen Kategorie zählen würde, lieber Rugby als Football gespielt und vor allem „supported“.

Nun, Australien hat es allen gezeigt und gegen die Türken einen 2:0-Sieg ermauert. Wahrscheinlich tanzten Down Under dieses Wochenende nicht nur die eingefleischten Ausie-Fußballanhänger auf den Straßen. Der ein oder andere Rugbyfan wird sicherlich schon dabei gewesen sein. So schnell kann es gehen!

Ähnlich gut ist das Emirat Katar ins Turnier gestartet. Wie eben genanntes Australien schockierten die Wüstenkicker die guten alten Eidgenossen und machten ein Unentschieden klar, und das in der Nachspielzeit. Die Schweizer können anscheinend nur noch diese Art von Ergebnis, trotz einiger aktueller und ehemaliger Bundesligaspieler im Kader.

Und man könnte dies jetzt immer weiter in dieser Form zusammenfassen. Denn selbst die Spieler von einer Karibikinsel mit dem Namen Haiti leisteten Beachtliches. Sozusagen sinnbildlich tapfer gegen die Bravehearts aus Schottland gekämpft. Am Ende stand nur ein Tor für die Schotten auf der Anzeigetafel.

Das alles macht doch Mut und vielleicht kann sich die ein oder andere weniger bekannte Nation wirklich zu einem Dark Horse entwickeln. „Schaun mer mal“, wie ein sehr bekannter, erfolgreicher und leider bereits verstorbener Fußballer und Trainer immer zu sagen pflegte.

Im Übrigen musste sich Curacao, Deutschlands Auftaktgeber am 2. Spieltag, deutlich geschlagen geben. Ich denke, damit kein wirkliches schwarzes Pferd mehr im übertragenen Sinn, aber die ganze kleine Nation ist stolz auf ihr erstes Tor bei einer WM – auch ein schöner Erfolg!