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Dorfverein

Dorfverein

Liebe Fußballfreunde,

irgendwie muss es sein. Zu Beginn einer Saison ist es doch sicherlich altbewährte Tradition, ein neues „Vereinsmitglied“ im Oberhaus offiziell zu begrüßen, oder? Vor allem, wenn es sich um einen eingetragenen Dorfverein aus einer 13.000-Seelengemeinde handelt. Denn die Spielvereinigung aus Elversberg mischt ab diesem Wochenende offiziell mit und ist damit das 59. Mitglied im Kreise der erlauchten aktuellen und ehemaligen Bundesligaklubs. Herzlich willkommen in der Beletage, liebe Elversberger!

Die Entwicklung des Vereins ist sicherlich durchaus bekannt, aber für alle, die es nicht wirklich auf dem Schirm haben, hier ein kurzer Schnelldurchlauf: 2022 gelang der Sprung aus der Regionalliga in die 3. Liga, 2023 ging es dann direkt in die 2. Liga, in der man 3 Jahre verweilte, einmal in der Relegation scheiterte, bis man im Mai diesen Jahres den Aufstieg in die 1. Liga schaffte. Klingt nach einer alpinistischen Meisterleistung und das alles ohne Hinzunahme von Sauerstoffgeräten. Da kommt sicherlich selbst Reinhold Messner nicht mehr aus dem Staunen heraus.

Denn der genannte Bergsteiger sieht einige Parallelen im Bereich der Willenskraft, des Zusammenhalts und der mentalen Stärke unter Druck zwischen dem Bergsport und dem Fußball. Diese dürften ihm die Saarländer nun bestätigt haben. Denn kurz zusammengefasst sind dies genau die Eigenschaften, die die Spielvereinigung in den vergangenen Jahren ausgezeichnet haben. Der Kader war und ist vor allem auf Talenten aufgebaut, die noch eine „große“ Zukunft vor sich haben und oft nur von anderen Vereinen ausgeliehen werden. Hinzukommt, dass die Trainer, die u. a. diese genannten Merkmale in Ruhe predigen konnten, ohne hohen Erwartungsdruck arbeiten dürfen. Folglich brachte man es fertig, trotz eines jährlichen umfangreichen Aderlasses an begabten Spielern den Traum vom Bundesligaaufstieg in die Realität umzusetzen.

Nicht anders plant der Verein auch wieder für diese Saison. Mit drei neuen jungen Leihspielern (Francis Onyeka aus Leverkusen, Noel Futkeu aus Frankfurt und Noah Darvich aus Stuttgart) und einem Etat im unteren zweistelligen Millionenbereich geht man das neue Abenteuer an. Damit kommt man auf einen Kadermarktwert von ca. 60 Mio. Euro (im Vergleich: Bayern Münchens Kader ist über 1 Mrd. wert). Die Süddeutsche Zeitung benannte daher bezeichnenderweise den Neuankömmling als „den Chihuahua der Bundesliga“: den kleinsten Verein, der jemals in der Liga gastierte.

Und Heureka, der Dorfverein schlug direkt ordentlich zu. Nach 10 Minuten Spielzeit lag man bereits 2:0 vorne gegen Bayer Leverkusen und war klar die bessere Mannschaft in dieser Halbzeit. In der 2. machten die Saarländer direkt weiter und erhöhten nach 28 Sekunden sogar auf 3:0. Da schau her – da kommt man nicht aus dem Staunen heraus, fast wie Weiland Reinhold! Gut, Bayer kam nochmals durch zwei späte Tore heran, aber wer das Spiel verfolgt hat, war sich sicher. Das ist der Tag der Mannschaft aus dem kleinsten Bundesland und dem kleinsten Bundesligastandort: Sie verfügt über das kleinste Stadion, den kleinsten Etat und somit den kleinsten Mannschaftswert – vermutlich für eine lange Zeit, wenn nicht gar für immer in der Bundesligageschichte. Daher nochmals herzlich willkommen in der Bundesliga, Klein-Elversberg!