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Finale

Finale

Liebe Fußballfreunde,

das Wort „Finale“ wurde im 16. Jahrhundert dem italienischen Wort finale entlehnt, welches auf lateinisch finālis: „am Ende befindlich“ und letztlich auf finis: „Ende“ zurückgeht. Als Finale (kurze Anmerkung: schweizerdeutsch Final, ohne e) wird bei Wettkämpfen je nach Art der Durchgang des Wettkampfes bezeichnet, in dem der Sieger des gesamten Wettkampfes ermittelt wird.

Das Ende erreicht und damit das ultimative Endspiel bei dieser WM bestreiten heuer zwei spanisch sprechende Mannschaften. Was es so noch nie gab, also ein echtes Novum ist – man versteht sich somit sprachlich auf dem Platz. Ob dies auch außerhalb des Platzes zutrifft, kann ich schwerlich sagen. Aber viele Spieler der beiden Nationalmannschaften sind in Spanien fußballerisch sozialisiert worden. Also könnte das sogar hinhauen. Immerhin wird in der genannten Sprache ein solches Spiel „La Finale“ genannt, was schon etwas erhabener klingt als das deutsche „das Finale“ („dr Final“ in o. g. Sprache – siehe Absatz 1). Ein „Le Finale“ wäre es, wenn die Franzosen das letzte Spiel in diesem Turnier erreicht hätten. Haben sie aber nicht!

Sagen wir aber einmal immerhin etwas Ähnliches!? Denn grundsätzlich ist das Spiel um Platz 3 auch ihr letztes Spiel im Turnier. Dabei geht es bekanntermaßen nur um die goldene Zitrone – den letzten Platz auf dem Treppchen sozusagen. Immerhin! Dieses Spiel bestreiten die besagten Franzosen heute gegen die Engländer, die wie die Schweizer einfach das „e“ beim Wort Finale weglassen, aber es ganz anders betonen. Kleiner Exkurs gefällig: Im Gegensatz zum Standarddeutschen, wo das „a“ am Ende in manchen Regionen zu einem schwa-ähnlichen Laut verschwindet, wird das „a“ in der Schweiz offen und deutlich gesprochen. Es ist ein kurzes, klares „a“: „fi-nal! Der Brite betont hingegen mehr das „i“ und man endet mit „uhl“: „fei-nuhl“.

So oder so ähnlich müssen sich Jude Bellingham und Co. nach ihrem Halbfinalspiel gefühlt haben: Uhl, oder besser uh, noch besser puh. Man kann jetzt wirklich darüber streiten, ob die Mannschaft das Spielen eingestellt hatte, weil nichts mehr ging, oder auf Grund der Taktik des Trainers. Dieser versuchte zugegebenermaßen, die Defensive zu stärken, mit interessanten, aber auch teils fragwürdigen Wechselentscheidungen. Ein „uh-puh“ ist es einfach deshalb geworden, weil man sich von einer aus Expertensicht mittelmäßigen Mannschaft ab der 70. Minute hat vorspielen lassen. Man hätte von kampferprobten Briten durchaus was anderes erwarten können – der letzte Wille, die gewisse Galligkeit (nach Jürgen Klopp) hat leider einfach gefehlt.

So muss man jetzt die ebenso enttäuschende „L'Équipe“ fordern, welche gegen Spaniens Taktikfußball ihre Wucht nie entfalten konnte. Dabei geht es neben dem äußerst wertvollen Titel „WM-Dritter“ immerhin noch um die Torjägerkanone (wer wird Torschützenkönig der WM) sowie um die Wertung „Welche Mannschaft stellt den Spieler mit den meisten Toren“. Ein gewisser Kylian Mbappé, aber auch ein Harry Kane haben hier noch durchaus realistische Chancen, die Krone zu ergattern. Nicht zu vergessen der kleine Lionel (der die Mittelmäßigkeit seines Teams ein wenig aushebelt).

Und damit sind wir beim WM-Tippspiel angelangt. Hier hat natürlich niemand enttäuscht und wir können auch nicht von einem rein spanischen Finale sprechen. Eher von einem innerdeutschen Nord-Süd-Gipfel, der höchstwahrscheinlich durch die genannte Wertung („Welche Mannschaft…“) entschieden wird. Denn, wie ihr vermutlich alle selbst bei Betrachtung der Tabelle erkennen könnt, beträgt der Abstand vor den letzten beiden Spielen dieser WM zwischen Platz 1 und 2 weiterhin nur einen Punkt. Spannend! Daher, lasst uns das Finale „bestreiten“. Und um im Thema zu bleiben: Der eine der beiden Führenden nennt diesen letzten Tanz wahrscheinlich „Dascha ’n Ding“, der andere „dr letscht Fetz“.