Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!
Liebe Fußballfreunde,
dieses berühmte Zitat wird häufig dem deutschen Humoristen und Dichter Wilhelm Busch zugeschrieben. Es bringt humorvoll zum Ausdruck, dass das Leben oft unvorhersehbar ist und sich Pläne oder Situationen selten exakt so entwickeln, wie man es ursprünglich erwartet oder berechnet hat. Auf die Halbfinalpaarungen bei dieser WM trifft diese Weisheit aber nur bedingt zu. Abzulesen a) an den Namen der Fußballnationen – alle schon einmal oder gar mehrfach Weltmeister und damit als stark einzuschätzen – und b) am Tipptableau in unserer Tipprunde. Ca. 50 % aller Teilnehmer haben 3 der genannten Nationen im Vorfeld im Halbfinale erwartet. Der Rest minimum 2 davon.
Somit ist es also so gekommen wie erwartet. Wobei alle Teams, außer den Franzosen, denen es die Marokkaner doch recht leicht gemacht hatten, das „Glück“ um Hilfe bitten mussten. Auffallend dabei, dass Spanien und England dieses um jeweils einen Torwartpatzer als Unterstützungsmaßnahme baten. Und da schau an, die jeweiligen Torsteher der gegnerischen Mannschaft taten, wie ihnen geheißen. Den Ball nach vorne zu klatschen, sollte tunlichst vermieden werden, steht in jeder Torwartbibel. Manuel Neuer würde das ggf. anders sehen, aber er liest wahrscheinlich noch aus dem "Alten Torwarttestament" und nicht aus dem "Neuen". Obwohl, sein Name ist Neuer … Egal. Auf jeden Fall, ohne diese Klatschvorlagen wären die Iberer und die Briten nicht dabei, zumindest nicht so einfach noch dabei.
Die Argentinier hingegen, laut Murat Yakin, dem Schweizer Trainer, neuerdings auch Miami Yakin genannt wegen seiner stylischen Götti-Retrobrille und seiner grau melierten Haare, die schlechtere Mannschaft, baten das „Glück“ um die Hilfe in Form einer Schwalbe von Breel Embolo. Der Schweizer Stürmer hob Mitte der zweiten Halbzeit ohne Einwirkung des Gegners am Spielfeldrand ab. Ziel war es, ein Foul zu ziehen. Basierend auf einer neuen Regel, die es dem Schiedsrichter erlaubt, eine solche an den vermeintlich Faulenden vergebene zurückzunehmen und neu zu verteilen, erhielt er für dieses Abheben seine zweite Gelbe Karte. Folglich Gelb-Rot = Platzverweis, da er wie gesagt schon eine in Petto hatte. Ab da kämpften die Eidgenossen noch tapfer, mussten sich aber der Überzahl geschlagen geben. Was für ein Dusel für die Südamerikaner!

Ohne diesen besagten „Support von oben“ wäre es sonst zu einem rein westeuropäischen Halbfinale gekommen, mit Frankreich als Mittelpunkt und seinen Anrainerstaaten. Ähnliches gab es zuletzt im Jahr 2006 mit Frankreich, Deutschland, Italien und Portugal. Und um die Geschichtsstunde abschließen zu können: Insgesamt trat das Phänomen eines rein europäischen Halbfinales schon 6 Mal auf seit 1934. Das letzte rein europäische war 2018, mit Kroatien mehr aus dem Ostteil des Kontinents als Teilnehmer.
Nun ist es also anders gekommen. Anders gekommen ist es auch für Ciaoraphaello, als sicherlich geplant. Es sieht so aus, als würde ihn das Glück auf den letzten Metern verlassen. Das angekündigte Abschmelzen ist zu einem Dahinschmelzen geworden. Okay, es ist nur ein Punkt Rückstand nach dem Viertelfinale. Aber man sollte bedenken, es gibt nur noch 4 Partien zu betippen sowie zwei Bonusentscheidungen. Das könnte eng werden. Aber auch hier gilt: Es kann alles anders kommen, als man denkt!