Hopp Schwyz!
Liebe Fußballfreunde,
die Schweizer an sich sind ja durchaus ein recht eigensinniges Völkchen. Wer schon mal dort gelebt hat oder knapp davor, sprichwörtlich daneben, also an der Grenze zur Schweiz, der weiß, von was ich spreche, besser schreibe. Kaya Yanar, in Köln komödidantisierter Wahlschweizer, kann ein Lied davon singen. Seine Programme „Reiz der Schweiz“ oder jetzt aktuell „Hör uf!“ porträtieren humorvoll die Eidgenossen und ihre Gewohnheiten. Eine dieser ist der hochemotionalisierte Support ihrer „Nati“ durch das weltbekannte „Hopp Schwyz“!
Für alle Interessierten - wenn, dann muss man "Hör uf" vor Ort genießen:
https://www.kaya.tv/tourdatenschweiz
Dabei leitet sich das Wort „Hopp“ vermutlich vom französischen „Allez“ ab, welches im Schweizerdeutschen oder im süddeutschen Raum umgangssprachlich eingedeutscht wurde. Es ist eine Aufforderung, schneller zu machen oder Schwung zu holen. Das mit dem Schwung und dem Wort „Hopp“ ist aber eben so eine Sache. Einerseits, da „Hopp“ eher an "hoppeln" erinnert und dieses Verb nicht gerade auf Schwung oder besser Geschwindigkeit hindeutet. Andererseits, da das oben aufgeführte hochemotionalisierte so eben nicht ganz rüberkommt. Der Schweizer an sich trägt es eher nüchtern und zurückhaltend vor. Der Schwabe würde sagen: trocken!
Nun hat es die besagte Nation, besser ihre Nationalmannschaft, doch tatsächlich ins Viertelfinale dieser WM geschafft. Etwas glücklich und fußballerisch nicht gerade glänzend, aber sie sind damit die einzigen Vertreter der "deutschsprachigen" Sprachkultur im Wettbewerb. Zugegebenermaßen spricht man in der Schweiz nicht nur diese Sprache. Man verwendet dort auch sehr gerne das Rätoromanische, das Französische und sogar im Süden das Italienische. Trotz diesem Sprachensalat hat sich aber der Ausruf in allen Landesteilen der Schweiz fest verankert und wird von Fans aller Sprachregionen genutzt, oft begleitet von Kuhglocken und der rot-weißen Schweizer Flagge.
Und die Vorstellung, dass heute Nacht um 3 Uhr MEZ südlich des Bodensees Kuhglocken und ein „nüchternes“ Hopp Schwyz vor dem Fernseher zum Einsatz kommen, hat schon fast etwas Romantisches. Denn erst zum dritten Mal in der Geschichte der Fußballweltmeisterschaft steht die kleine Fußballnation in einem Viertelfinale. Und das ausgerechnet gegen den amtierenden Weltmeister. Nimmt man das Spiel der Argentinier gegen das altehrwürdige Ägypten als Maßstab, dann könnten die Schweizer dieses Mal tatsächlich über die Albiceleste hinweg hoppeln. Sinnbildlich! Wenn alles zusammenpasst und der Schiedsrichter dieses Mal mitspielt. Also, dann wollen wir mal die Daumen drücken. Eine (weitere) Überraschung tut einem Turnier immer gut.
Aktuell fleißig mitspielen „tun“ noch alle Mitglieder unserer Gemeinschaft. Nach dem Achtelfinale und der Hälfte des Viertelfinales wird die Luft aber leicht dünner für unseren Helden an der Spitze. Zum Abschluss der Sechzehnerrunde waren es noch 9 Punkte, nach der Achterrunde schon nur noch 5 und aktuell, wie gesagt, der halben Viertelrunde, sind es noch genau 4 Punkte. Man nennt das bildhaft auch das Abschmelzen eines Vorsprungs. Was uns zu einer weiteren Schweizer Eigenart und damit Spezialität bringt. Denn „wer hat es erfunden“, das Abschmelzen von Käse! Richtig, der Schweizer per se hat das Raclette erfunden. Um präziser zu sein: Hirten und Bauern im Kanton Wallis. Das sind im Übrigen die mit den Kuhglocken und der rot-weißen Flagge. Zwar ohne Kreuz, das haben die Berner beigesteuert. Aber diese regionale Fahne präsentierte sich schon im 12. Jahrhundert in der heutigen Farbwahl.
Damit, alles Gute heute Nacht und hopp Schwyz!