Kader
Liebe Fußballfreunde,
seit Donnerstag ist die Fußballwelt im Ausnahmezustand wegen Jürgen Klopps XXL-Kader. Der gerne mal freudig monologisierende Neu-Bundestrainer hat über 40 Kandidaten für die kommenden vier Länderspiele nominiert. Jede Sportzeitschrift des Landes, sogar die in unseren Nachbarländern, berichtete ausführlich über diese „Neuerung“. Die Berichterstattung war größtenteils wohlwollend, doch einige sensationslüsterne Blätter und Onlineportale konnten es nicht lassen und versorgten ihre Leser bereits Tage im Voraus mit einem besonderen Leakservice. Jeder potenzielle Kadernominierte, der irgendwie schon benannt werden konnte, wurde in die Welt posaunt, unabhängig von der Zuverlässigkeit der Quellen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der heutige Journalismus nicht mehr das ist, was er einmal war – seriös und vor allem geprägt von einer faktenbasierten nachgelagerten Berichterstattung.
Kader Klopp wird das wahrscheinlich aber herzlich egal sein. Ja, ihr lest richtig, im Arabischen gibt es den Vornamen Kader (oder Qadir), was so viel wie „Macht“, „Stärke“ oder „fähig“ bedeutet. Angesichts der gelungenen Kaderzusammenstellung und des Optimismus, den der Bundestrainer verbreitet, könnte man ihn damit auch gerne als Kader Klopp bezeichnen. Sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe „schlagen“. Wir müssen also nicht mehr von Klopps Kader sprechen, sondern können den Kader und den Trainer unisono als KK, Kader Klopp, bezeichnen. Der Name eröffnet die Möglichkeit für ein kleines Augenzwinkern hier und da.
Um das Bild abzurunden und den oftmals bereichernden Wissenstransfer abzuschließen: Ein Kader ist eine Gruppe von ausgewählten, geschulten oder spezialisierten Personen, die eine wichtige Funktion in einem bestimmten Bereich ausüben. Das Wort leitet sich vom französischen „cadre“ (Rahmen, Stammtruppe) ab. Der Kader der Nationalmannschaft sollte diese Ansprüche erfüllen, insbesondere in Bezug auf Spezialisierung und Schulung, denn laut der verantwortlichen Person können alle „geil kicken“.
Einige Vereine hingegen haben zu Beginn der Saison einen weniger durchdachten Kader zusammengestellt. Die verantwortlichen Manager müssen sich daher ernstzunehmende Fragen stellen. Allen voran die Unioner aus Berlin, die Fohlen aus Gladbach und weiterhin auch die Rothosen aus Hamburg. Union „verkackte“ das Spiel in München so sehr, dass die oben genannte Frage nicht mehr nur theoretisch ist. Manchmal sind Ausmusterungen bei anderen Kadern ein tatsächliches Merkmal für fehlende Qualität oder Leistungsstärke. Felix, der Unglückliche, Uduokhai, der ausgemustert in der Türkei bei Besiktas war, ist ein Beispiele dafür. Seit er im Abwehrzentrum der Berliner mitspielt, ist dieses noch löchriger als ein Schweizer Käse (14 Gegentore in 3 Spielen, insgesamt hat Union bereits 17 kassiert).

Die Situation bei Borussia Mönchengladbach ist ähnlich bedauernswert. Mit einer negativen Tordifferenz von 10 und bereits 16 Gegentoren steht der Verein vor großen Herausforderungen. Die Verantwortlichen suchen bereits nach einem neuen Trainer, und die Niederlage gegen Mainz war sicherlich unglücklich. Gladbach hätte durchaus noch weitere Tore erzielen können, wäre da nicht der Elfmeterpunkt malträtiert worden. Nadiem Amiri, ein Spieler aus dem deutschen XXL-Kader, griff zu dieser unsportlichen Aktion und wurde weder erwischt noch bestraft. Folglich verschoss der antretende Borusse den Elfmeter. Solch ein Verhalten ist nicht gerade kaderlike.
Bevor wir jedoch abschließen und zur Tipptabelle übergehen, wollen wir uns noch kurz mit einer interessanten Wortbildung befassen: Kaderhygiene! Augsburgs Trainer Manuel Baum wechselte seinen Kapitän spät im Spiel aus Gründen der Kaderhygiene ein, wie das Fach- und Klatschmagazin „Kicker“ berichtete. Damit ist gemeint, dass er ihm Spielzeit gönnte und das Leistungssprinzip außer Acht ließ. Jeffrey Gouweleeuw war prompt an beiden Lastminute-Gegentoren beteiligt und ermöglichte Bremen ein nicht mehr für möglich gehaltenes Comeback. War dies ein klarer Wechselfehler des Trainers oder einfach nur Pech? Schlussendlich ist wichtig zu betonen, dass ein Kadermitglied allen Anforderungen stets gerecht werden muss, um einen Anspruch auf einen Kaderplatz zu haben.
Siggi gehört natürlich weiterhin zum Tippkader – daran gibt es keinen Zweifel. Wie im wahren Leben, so ist es auch bei uns in der Tipprunde: Vor zwei Wochen noch strahlender Tabellenführer und jetzt in das letzte Drittel der Tabelle abgerutscht. Ausgewiesene Fußballexperten wie Chrissi, SirPatric, Michael, FrankG und sogar Ciaoraphaello rechtfertigten dagegen ihren Kaderplatz mit tadelloser Leistung sowie jeweils einem/ein paar Schritt(en) nach oben. Schnäppchen hingegen, immer etwas ambivalenter Kader, machte das, was im Rahmen seiner Möglichkeiten eigentlich gerne tut. Seinem Kumpel Siggi zu folgen, so gut wie möglich! Da bleibt nur zu schließen: Allen Unkenrufen zum Trotz, nächste Woche gibt es wieder eine neue Chance – Möge die Macht (Kader) mit ihm sein!!