Schienbeinschoner
Liebe Fußballfreunde,
neulich im Deutschen Fußballmuseum zu Dortmund konnte ich so einige Devotionalien sowie spektakuläre bis weniger spektakuläre Utensilien der deutschen Fußballgeschichte bestaunen. Nicht immer ganz eingängig, aber an der einen oder anderen Stelle nachvollziehbar. Man muss ja die Räume füllen. So sind u. a. auch Schienbeinschoner von Franz Beckenbauer ausgestellt, neben einem Paar Kickstiefeln oder natürlich der berühmten F.B.-Puppe aus den 70er-Jahren.
Die Geschichte des Schienbeinschützers begann in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, als erstmals die im Cricket verbreiteten Schutzschilder auch beim Fußball als Beinschutz verwendet wurden. Die hierdurch erheblich reduzierte Bewegungsfreiheit war allerdings mit der stetig zunehmenden Geschwindigkeit des Fußballspiels schwer vereinbar, so dass es üblich wurde, den Beinschutz auf die empfindlichsten Stellen des Vorderbeins, vor allem auf das Schienbein, zu begrenzen. Viele Spieler verzichteten noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz auf den Beinschutz, um kein zusätzliches Gewicht mit sich herumtragen zu müssen.
Denn die ersten Fußball-Schienbeinschoner bestanden aus Leder sowie Holz und waren dadurch recht klobig und unbequem. Heute trägt der geneigte Profi sehr kleine Schienbeinschoner, die oft kaum größer als eine Handfläche sind und mit persönlichen Motiven, Namen oder Fotos versehen sind. Jack Grealish, aktuell verletzter englischer Nationalspieler, benötigt die verkleinerte Form auch, um seine stämmigen, sehr ausgeprägten Waden durch tief sitzende Stutzen betonen zu können. Da passt dann kein regulärer Schoner, der ggf. bis zum Knie reicht, mehr dazu.
In der Bundesliga trägt Phillip Tietz sehr kleine Schienbeinschützer. Hinter einem der beiden steckte dieses Mal ein kleiner Zettel, den seine Tochter für ihn gemalt hatte. Darauf war eine Biene zu sehen. "Sie hat gesagt: 'Papa, Tore schießen ist doch einfach, da male ich dir ein Bild.'" Im Auswärtsspiel bei der ambitionierten TSG brachte ihm diese Botschaft Glück. So etwas funktioniert nicht immer, aber seit seinem Wechsel nach Mainz in der Winterpause spielt er regelmäßig und hat mit einem Doppelpack am Samstag seine Mannschaft auf den 9. Tabellenplatz gehievt. Zur Erinnerung: Am 18. Spieltag stand Mainz noch auf Platz 18 der Tabelle.

Folglich scheint dem Verein aus der Stadt Sinsheim wiederum auf den letzten Metern der „Sprit“ auszugehen. Und da Nachtanken ja gerade sehr teuer ist, könnte selbst die Europa-League-Qualifikation nochmals akut gefährdet sein. Den Stuttgartern kommt dies gerade recht – auch wenn bei ihnen, symbolisch für die grüne Landeshauptstadt, eher die Batterieladung weniger zu werden scheint. Konnte man doch gegen die Dortmunder die eigene anfängliche spielerische Überlegenheit nicht in echte Torchancen ummünzen und verlor am Ende durch zwei späte Kontertore zu Hause 2:0. Biene gehabt, würde Herr Tietz jetzt sagen, denn so konnte man sich an diesem Spieltag unter den Top 4 halten.
Nach Biene gehabt sieht es auch bei Finn alias F7K aus. Nach eigenem Unentschieden zusammen mit dem Bruder im Samstagsspiel zu Ulm verschaffte ihm gerade der Tipp eines Remis, wenn auch nicht dem exakt richtigen Ergebnis, im Spiel Union Berlin gegen St. Pauli Hamburg den entscheidenden Vorteil und damit den fehlenden Beitrag zur höchsten Punktzahl diese Runde. Sein Vater und ausgewiesener Edelfan seiner beiden Söhne hingegen nutzte eben dieses Spiel, um wieder etwas näher an Platz 1 heranzutippeln. Denn seine Vorhersage stimmte hier genau. Wäre nur noch die Frage zu klären, welche Größe Finns Schienbeinschoner haben und ob er auch ab und an Bienenbilder dahinter versteckt als Glücksbringer.