Auswärtsspiel
Liebe Fußballfreunde,
es gibt solche und solche Spiele auf fremdem Terrain. Spiele in Leipzig oder Hoffenheim, welch News, sind nicht so beliebt in der Fanszene. Stichwort Retorte. Spiele in Stadien wie dem Volkspark, dem Neckarstadion, dem Waldstadion oder eben auch dem Westfalenstadion werden ganz anders wahrgenommen. Eher emotional, eher klassisch stimmungsvoll. Groundhopper nennen diese auch auf Grund der Größe, der Architektur, der Nostalgie und vor allem eben wegen der Stimmung sogenannte „Must Visit“-Arenen.
Und um eben einen „Tick in the Box“ zu erzielen, ist es natürlich ein Muss, auch mal in Westfalen die „Gelbe Wand“ zu erleben. Das adaptierte „You Never Walk Alone“, die Stimmung in der Stadt und vor dem Stadion. Alles in Gelb-Schwarz, untermalt mit der Zuwendung „Echte Liebe“. Nicht total anders, aber doch auf Grund der schieren Größe eindrucksvoll. Was alleine durch die 25.000 Zuschauer auf der Stehtribüne „die Süd“, der vermutlich berühmtesten Stehtribüne der Welt, verdeutlicht wird.
Gesagt, getan, der FCA gastierte mal wieder in Dortmund. Leider spielte das Wetter und am Ende auch die Mannschaft nicht mit. Bei Temperaturen zwischen 2 und max. 4 Grad war der Auftritt der Schwaben geprägt durch Harmlosigkeit und eine gewisse Starre. Der stark verbesserte BVB war ohne Zweifel die ganze Partie überlegen und hätte noch höher gewinnen können. Am Ende war die Nachbesprechung im sog. Stadion Rote Erde „Biergarten“ fast spannender – wenn man denn Ruhrpottplatt versteht. Aber immerhin kann man jetzt nachvollziehen, dass in Dortmund echte Liebe nun mal echte Liebe ist und nicht nur ein Marketingslogan.

Ein paar Kilometer weiter gastierten die Bergamo-Dominatoren in Leverkusen. Und schau an, ein zu hartes Einsteigen (siehe „Mythos Matchplan“) ihres Ersatzstürmers Nicolas Jackson brachte die Partie für die großen Bayern fast ins Wanken. Lange musste man einem Rückstand nachlaufen und verlor sogar noch einen weiteren Spieler (ob zurecht, ist hier eine andere Frage). Am Ende stand ein Unentschieden auf der Anzeigetafel, welches die Münchner als Sieg der Moral einstuften. Trotz oder vor allem auch wegen der Verletzung ihres 3. Torwarts Sven Ulreich. Die große Frage wird daher sein: Wer steht am Mittwoch zwischen den Pfosten beim Rückspiel gegen Atalanta in München, da die Nr. 1, die Nr. 2 und die Nr. 3 ausfallen?
Im Sonntagabendtopspiel, ein Wort mit exakt 20 Buchstaben, war es ein Fehlpass des 2. Torwarts Maarten Vandevoordt – der etatmäßige Keeper Péter Gulácsi fehlt aktuell auch wegen einer Verletzung – der das Spiel zugunsten der Schwaben aus Stuttgart entschied. Die ausgeglichene Partie hätte sonst keinen Sieger verdient. Damit war man immerhin im durchaus atmosphärischen „Neckarstadion“ zufrieden, da zunächst einmal Platz 4 gesichert ist und man mit dem Landesrivalen aus Hoffenheim gleichziehen konnte.
Mehr eine Art von Heimspiel zelebrierte dieses Mal Lars. Bis auf 3 Unentschieden und einen Auswärtssieg setzte der in der Nähe von Frankfurt beheimatete fast ausschließlich auf die Heimmannschaften. Einziger Punktgewinn ohne diesen primären Fokus war das Spiel Hamburg gegen Köln. Das vorausgesagte Remis brachte ihm aber glatt 4 wichtige Punkte ein auf seinem Weg zum diesmaligen Rundensieg. Mithalten konnte mit dieser Taktik kein anderer „boxender Papst“, auch weil man mehr oder weniger einige getippte Auswärtssiege einstreute oder, falls es zu solchen kam, doch die Heimmannschaft favorisierte. Nicht immer so einfach, das mit den Auswärtsspielen oder eben manchmal auch mit der echten Liebe. Befragt doch mal die Dortmunder zum Auswärtsrückspiel in Bergamo!