Kantersieg
Liebe Fußballfreunde,
kaum jemand wird sich heutzutage noch an das 8:1 des VfL gegen den FCA am letzten Spieltag der Saison 2018/19 erinnern. Eher schon an den 11. Januar 2026 und damit an den 8:1-Sieg der Bayern gegen die Wölfe - ist ja noch nicht ganz so lange her! In beiden Spielen war ein echter Torwahnsinn im Gange. Einmal lederten die Wolfsburger die Augsburger, das andere Mal fertigten die Roten regelrecht die Grünen ab. Man bezeichnet solche Siege gerne als Kantersieg, also einen überlegenen, mühelosen und meist sehr hohen Sieg.
Was mir bis dato nicht so bewusst war, ist, dass dieser Begriff sich vom Englischen "to win in a canter" ableitet. Und „Canter" ist die Kurzform für "Canterbury Gallop" (ein lockerer Galopp beim Pferderennen). Ein Pferd, das so gewinnt, siegt, ohne sich besonders anzustrengen. Und so war es auch bei den Bayern im Januar oder eben bei den Wolfsburgern im Mai vor 6 Jahren. Sie gewannen jeweils das Spiel "mit leichter Hand“. Der englische Pferdesport hat irgendwie historisch eine prägende Gestaltungshoheit bezogen auf viele Sportbegrifflichkeiten (siehe „Derby“, „Box“, „Flank“ – Flanke des Pferdes). Rule, Britannia! Rule the „Sports Word World“.
Nun, am heutigen Spieltag gelang den Münchnern kein Kantersieg. Zum einen, weil der Elfmeterpunkt unsachgemäß malträtiert wurde von einem Wolfsburger Spieler (Name des Spielers: Jeanuël Belocian – Aussprache: „Schwanüël Bälosian“ – kein Hexenwerk für einen jeden Schwaben aufgrund der vielen Umlaute und des standardmäßig eingebauten „sch“), und zum anderen, weil die Bayern nach dem bitteren Ausscheiden am Mittwoch nicht vollumfänglich auf den Gegner, der ums Überleben kämpft, fokussiert waren. Der eigene Torhüter musste die Mannschaft im Spiel halten, damit am Ende doch noch ein Sieg heraussprang. Schlussendlich wieder kein Heimsieg für die grüne Heimmannschaft, was zur Folge hat, dass man mit Abstand Letzter in der Heimtabelle ist und bleibt: 10 Punkte aus 18 Heimspielen. Dauerkartenbesitzer möchte man da wirklich nicht sein!
Die Schwabenkicker hingegen, besser schwäbische Kicker, um einen Umlaut zur Verfügung zu stellen, legten einen solchen Kantersieg hin. Der Sieg war nicht sehr hoch, aber Leverkusen schoss früh ein Tor und hatte dann erst gegen Ende des Spiels wieder eine Torchance. Das sagt sehr viel über die Überlegenheit der Canstatter aus. Allen voran tat sich dieses Mal ein Bosnier mit Namen Ermedin Demirović hervor, der an allen drei Toren beteiligt war (eines davon schoss er selbst). Die Fans feierten ihn daher gebührend und betonten das „vić“ standesgemäß und wie üblich mit einem starken „sch“.
Ähnliches ist aus der früheren oberschwäbischen und nun bayerisch-schwäbischen Metropole Augsburg zu vermelden. Auch die Zwirbelnussträger legten einen Kantersieg hin. Aus dem Fußgelenk wurde die Borussia aus Gladbach bezwungen. Gleichwohl war auch hier der Sieg nicht sehr hoch, aber aufgemerkt, die Weißgrünen kamen nur in der Nachspielzeit zu einem Tor und damit zu ihrer wirklich ersten gefährlichen Torchance. In diesem Spiel, in welchem der FCA sich eine kleine theoretische Chance auf den Einzug ins internationale Geschäft bewahrte, tat sich besonders der Stürmer Michael Gregoritsch aus Österreich hervor. Zwei Tore (eigentlich 3 – einmal ein hauchdünnes Abseits) machten ihn zum Matchwinner. Und ihr wisst, was jetzt kommt: Auch die bayerischen Schwaben betonten lautstark das „itsch“ am Ende von…., nach jedem Tor (auch dem vermeintlichen)!

Bleibt noch unsere Tipprunde übrig. FrankG steht nicht direkt vor einem Kantersieg, aber vor dem Sieg. Bei aller Qualität, er hat noch ein hartes Stück Arbeit vor sich. Denn er näht aktuell seine Tipps eher auf Kante, als dass sie ihn sicher in den Hafen bringen. Umgekehrt scheint JoschkaF nicht aufzugeben. Dabei ist seine Resilienz die ganze Spielzeit schon nachweislich und selbst am Ende scheint sein Kämpferherz intakt zu sein. Nur noch 4 Punkte trennen die beiden Herren! Hinzu kommt, beide steuern einem neuen Punkterekord entgegen. Mit 436 bzw. 440 Punkten sind wir am vorletzten Spieltag schon 20 oder besser gar 24 Punkte über dem bisherigen Rekord. Selbst Lars liegt schon 4 Punkte darüber. Mit dieser Erkenntnis auf in die letzte Runde, am besten gemäß britischer Gepflogenheit: May the best man win!